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Streicher: Die Katze und ihr Doktor

14,98
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Der etwas andere Katzenratgeber

Drei Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen aufeinander: Die Katze, die nicht will. Der Katzenhalter, der auch nicht will, aber weiß, dass es sein muss. Und der Tierarzt, der gerne möchte, oft aber nicht kann, weil er von der Katze, und manchmal auch vom Katzenhalter, daran gehindert wird. Dr. med. vet. Michael Streicher, Tierarzt und einer der wenigen niedergelassenen Katzenexperten in Deutschland, erklärt fachlich kompetent, und doch mit einem Augenzwinkern, die wichtigsten Fragen rund um den Ausflug zum Tierarzt. Auch außergewöhnliche Fragen, wie: Ist die Katze eine Kaffeemaschine? Wie definiert sich ein guter Tierarzt? Wie kommen Sie sicher zum Tierarzt? Kann man über das Telefon die Katze heilen? Sind Zuchtkatzen gesünder? Was will der Tierarzt überhaupt von Ihrer Katze? Fragen über Fragen… und was noch besser ist: Antworten, die keine Fragen offen lassen.

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Dr. med. vet. Michael Streicher, Jahrgang 1973, gehört zu den wenigen Spezialisten in Deutschland, die sich ausschließlich dem Wohle der Katze verschrieben haben. Er ist Autor zahlreicher Publikationen zum Thema Katzenkrankheiten und Inhaber der Katzen-Praxis bei Frankfurt, wo er mit seinem Team Tiermedizin ausschließlich für die Katze betreibt.

 

Michael Streicher: Die Katze und ihr Doktor - der etwas andere Katzenratgeber ca. 185 Seiten, Broschur, € 14,98; ISBN 978-3-86992-027-6

Titelbild zum Download (300 dpi)

Leseprobe:

 

Leseprobe:

Die Einleitung

 

Geht Ihre Katze nicht gerne zum Tierarzt? Seltsam, so ein undankbares Tier. Wird ihr doch da in der Regel geholfen, und viel Geld kostet es auch noch. Ihre Katze müsste den Tierarzt eigentlich lieben. Es gibt aber nicht eine einzige Katze auf der Welt, die sich dankbar zeigt oder sogar freiwillig dort hin gehen würde. Wie deprimierend für Sie und den Tierarzt. Wenn der Tierarzt auch noch Pech hat, wird er gebissen und gekratzt. Sie als Katzenhalter haben oft Schwierigkeiten, die Katze überhaupt erst einmal zum Tierarzt hin zu bekommen. Meist ist der dortige Besuch für den Katzenhalter anstrengender als für die Katze selbst. Was ist überhaupt ein Tierarzt? Wer wird Tierarzt? Was will der Tierarzt von Ihrer Katze? Was sollten Sie für das Wohl der Katze wissen? Was kann der Tierarzt alles bei der Katze machen? Was lässt die Katze überhaupt zu? Wie ist das mit den Impfungen? Muss die Katze überhaupt entwurmt werden? Müssen Sie sich für die Katze schämen, wenn sie nicht so will wie der Tierarzt? Wem können Sie bei der ganzen Informationsflut noch glauben? Dieses Buch wurde von jemandem geschrieben, der es wissen muss, und der gerne bereit ist, sein Wissen zum Wohle der Katze weiterzugeben. Dr. Michael Streicher ist Fachtierarzt und Inhaber der Katzen-Praxis. Dort werden ausschließlich Katzen behandelt. Er weiß durch den täglichen Umgang mit Kunden und Katzen, wo die Probleme liegen, welche Fragen die Katzenhalter bewegen und welche Schwierigkeiten eine Katze bereiten kann. Er hat selber zwei Stubentiger, die ihn zur Verzweiflung bringen können. In diesem Buch erzählt er offen und ehrlich über die schönen und manchmal weniger schönen Dinge des Lebens als Katzendoktor. Er möchte Ihnen einen kleinen Wegweiser und Ratgeber an die Hand geben, mit dem Sie die Dinge mit Ihrer Katze klarer und entspannter sehen können. Ohne sich im medizinischen Detail zu verheddern, werden die wichtigsten medizinischen Möglichkeiten und Notwendigkeiten erläutert. Warum werden Katzen überhaupt kastriert und wann? Oder werden sie vielleicht sterilisiert? Was gibt es alles für Untersuchungsmöglichkeiten bei der Katze? Was fast allen Fragen gemeinsam ist, ist die Unsicherheit, bei seiner Katze irgendetwas zu verpassen oder etwas nicht zu wissen. Bei der unglaublichen Informationsfülle, die uns heutzutage zur Verfügung steht, ist das Herausfiltern der richtigen und für Sie wichtigen, Fakten sehr schwierig, aber entscheidend, um nicht auf falsche Aussagen hereinzufallen. Genau dafür ist dieses Buch gedacht. Es möchte Ihnen Tipps und Informationen aus erster Hand geben, auf die Sie sich verlassen können. Vielleicht klärt auch das ein oder andere Kapitel Fragen, die Sie sich bisher nicht getraut haben zu stellen.

 

Der Tierarzt

 

... die Katze ist das einzige vierbeinige Tier, das dem Menschen eingeredet hat, er müsse es erhalten,

es brauche aber dafür nichts zu tun.

 

Kurt Tucholsky, deutscher Journalist und Schriftsteller (1890 - 1935)

Als Katzenhalter haben Sie natürlich auch irgendwann einmal mit einem Tierarzt zu tun. Deswegen schadet es nicht, diesen freien Beruf etwas näher zu beleuchten. Als Freiberuf oder freier Beruf werden Tätigkeiten bezeichnet, die nicht der Gewerbeordnung unterliegen. Sie betreffen selbstständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende, erzieherische oder ähnliche Tätigkeiten. Die freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt. In Deutschland waren Ende des Jahres 2009 fast 36.000 Tierärzte gemeldet. Das bedeutet, dass jeder 2.200ste Bundesbürger ein Tierarzt ist. Davon sind aber nur rund 25.000 Tierärzte tatsächlich in ihrem Beruf tätig. Die Hälfte davon ist in eigener Praxis niedergelassen. Der Berufszweig der Assistenztierärzte ist mit 80 % Frauenanteil vertreten. Das Durchschnittsalter der Assistenzärzte liegt bei 33 Jahren. Ein Assistent arbeitet durchschnittlich mehr als 40 Wochenstunden. Notdienste kommen noch gesondert hinzu. Eine Woche mit drei 24-Stunden-Diensten zusätzlich ist keine Seltenheit, eine Bezahlung der abgeleisteten Notdienste dagegen schon.

Der Tierarzt gehört zu den Berufsgruppen, mit denen man eigentlich nicht viel Kontakt haben möchte, denn dies bedeutet meist, dass sein Haustier krank ist. Einen schlimmeren Stand haben vermutlich nur noch Zahnärzte und Bestatter. Seltsamerweise zählt er aber immer noch zum Traumberuf vieler kleiner Mädchen und kommt in der Beliebtheitsskala direkt hinter Model, Superstar und Stewardess.

Wer einen der wenigen, begehrten Studienplätze bekommen möchte, sollte sein Abitur zwischen 1,0 und 1,5 abschließen. Sonst heißt es warten, warten und nochmals warten. Das Tiermedizinstudium gehört bei der Zentralen Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) zu dem begehrtesten Fach. Auf einen freien Platz kommen fünf Bewerber. Das Studium dauert sechs Jahre. Schweine, Rinder, Botanik, Biochemie und Physik sind nur einige der hochinteressanten Wissensbereiche, mit denen man sich während des Studiums auseinanderzusetzen hat. Wer nicht in der Lage ist, einen Phenolring des siebten Zitronensäureesters zeichnerisch darzustellen, oder eine bunte Wiesenblume anhand ihrer Blütenformel zu identifizieren, hat keine Chance auch nur ansatzweise später einmal Tiere zu heilen.

Für Männer ist das Studium ein Eldorado. Der Anteil weiblicher Mitstudenten liegt bei 86 %, mit steigender Tendenz. Warum ist das so? Es gibt mehrere Vermutungen. Vermutung 1: Mädchen haben ein Pferde- und Tier-Gen, welches meist schon im Lebensalter von 12 Monaten aktiv wird. Ganz, ganz viele Tiermedizinstudentinnen berichten, dass sie, solange sie denken können, immer Tierärztin werden wollten. Vermutung 2: Auch Jungs würden eigentlich gerne Tierarzt werden, sind aber in der Schule, meist pubertätsbedingt, von den eigentlichen Zielen des Lebens abgelenkt und bekommen schlechte Noten. Das bedeutet: Kein gutes Abitur, was wiederum eine Wartezeit nach sich zieht, die mehrere Jahre dauern kann. So lange wartet man dann doch nicht und man(n) wird eben Pilot oder Lokomotivführer. Vermutung 3: Für einen Jungen ist es uncool, sich mit Tieren zu beschäftigen: „Das ist nicht männlich, das sollen die Mädels machen.“ Vermutung 4: Jungs wollen viel Geld verdienen, dicke Autos fahren, da sind sie beim Tierarztberuf falsch.

Egal was es auch ist, einige Jungs werden ja dann doch noch Tierarzt. Man fängt als Anfangsassistent in einer Praxis oder Klinik an: viele Wochenenddienste, noch mehr Notdienste, noch weniger Gehalt. Nach dem Studium oder auch erst nach der Doktorarbeit entscheidet sich, welchen Weg der junge Tierarzt einschlägt: Großtiere, Kleintiere, Groß- und Kleintiere, Forschung, Lehre oder auch direkt die Selbständigkeit. Einige haben nach dem Studium die Ausbildung in Kliniken weitergeführt, haben sich fort- und weitergebildet und stehen den humanmedizinischen Kollegen mit ihrem Wissen in nichts nach.

Gibt es Tierärzte, die Angst vor Tieren haben? Ja, eigentlich hat jeder Angst vor irgendeinem Tier. Das glauben Sie nicht? Haben Sie Angst vor irgendeinem Tier? Während meiner Studienzeit habe ich mit zwei Tiermedizinstudentinnen in einer Wohngemeinschaft zusammengelebt. Beide behaupteten, sie wären der Inbegriff der Tierliebe. Was passierte aber, wenn eine Spinne an der Decke hing und fröhlich ihres Weges ging? Brrrrrrrrrrrrrr…kam der Staubsauger und weg war sie. Nicht tot, nur weg. „Im Staubsaugerbeutel hat sie doch die Chance zu überleben.“ Spinnen sind auch Tiere. Eine Vogelspinne in der Größe eines Fußballs könnte theoretisch und auch praktisch beim Tierarzt sitzen. Sind Sie dann noch tierlieb? Ich würde einer Spinne nie etwas zuleide tun, aber ich möchte sie auch nicht unbedingt untersuchen müssen. Ich fürchte mich zum Beispiel ein wenig vor Kühen und Pferden. Ich bekomme keine Panikattacken, wenn ich sie sehe, und ich streichle im Urlaub gerne mal einer Kuh über den Kopf. Ich weigere mich aber, meinen Arm bis zum Anschlag in deren Körperöffnungen zu stecken, und ein Pferd am Strick und Halfter neben mir hertraben zu lassen.

Ähnlich der Humanmedizin, setzt sich bei den Tierärzten vermehrt die Spezialisierung durch. Noch vor zwanzig Jahren hätte man einen Tierarzt ausgelacht, wenn er gesagt hätte, er mache eine Praxis nur für Augenheilkunde auf. Heute ist das nicht mehr ungewöhnlich, und der Erfolg gibt diesen Kollegen recht. Ähnlich in der Kardiologie, Onkologie und Chirurgie. Gehen wir einen Schritt weiter: Pferdetierärzte gibt es schon sehr lange. Diese Kollegen behandeln von früh bis spät nur Pferde. Langweilig? Im Gegenteil. Richtig gut kann nur werden, wer sich spezialisiert. Warum gehen wir nicht noch einen Schritt weiter. Gibt es einen Tierarzt, der nur Hunde behandelt? Nein, gibt es nicht. Auf diese Idee ist noch keiner gekommen. Dagegen gibt es in Deutschland eine Handvoll Kollegen, die sich rein auf die Behandlung von Katzen spezialisiert haben. Tierärzte vereinen nach dem Studium alle Fachbereiche in einer Person, und wer sich nicht spezialisiert, muss bis zu seiner Rente in allen Bereichen kompetent sein oder zumindest so wirken: Anästhesie, Gynäkologie, Andrologie, Chirurgie, Dermatologie, Orthopädie, Onkologie, Internistik, Naturheilkunde, Ophthalmologie, Neurologie, Toxikologie, Traumatologie, Herpetologie und Zahnheilkunde. Es geht auf Dauer an die Substanz, für alle im Wartezimmer sitzenden Tierarten das vollständige Wissen parat zu haben.

Wie finden Sie aber einen für Sie passenden Tierarzt? Woher wissen Sie, ob er gut ist? Mag er überhaupt Tiere oder macht er das nur des Geldes wegen? Ich kann Sie beruhigen: Kein Tierarzt übt seinen Beruf aus, um damit reich zu werden. Diejenigen, die sehr viel Geld mit der Behandlung von Tieren verdienen, haben keine Zeit mehr es auszugeben. Die stehen von früh bis nachts in der Praxis oder Klinik und werden meist mit den Füssen voran herausgetragen. Also: keine Angst. Wer reich werden möchte und seinen Beruf nur des Geldes wegen ausübt, wird nicht Tierarzt. Gehen Sie davon aus, dass Ihr Tierarzt Tiere liebt. Bei vielen hält sich die Liebe für Vogelspinnen, Echsen und Axolotls zwar in Grenzen, aber auch hier gibt es Spezialisten und Kenner. Sie müssen diese nur finden.

Einer britischen Studie zufolge weist der Berufsstand der Tierärzte eine ungewöhnlich hohe Selbstmordrate auf. Viermal so häufig wie der Rest der englischen Bevölkerung wählten Tierärzte dort den Freitod. In anderen Ländern sehen die Statistiken wohl ähnlich aus. Was sind aber die Ursachen, die einen Tierarzt in den Selbstmord treiben? Man kann nur vermuten. Bei Tiermedizinstudenten wurde eine bestimmte Persönlichkeitsstruktur festgestellt. Sie wollen helfen und stellen sehr hohe Ansprüche an sich. Dies ist erstmal nichts Verwerfliches und sollte eigentlich bei allen im Berufsleben oder im Studium stehenden zu finden sein. Was aber den Tiermedizinstudenten mehr fehle als Studenten anderer Studienrichtungen, sei die emotionale Intelligenz. Darunter versteht man die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und die der Anderen zu erkennen, sich selbst zu motivieren und gut mit Emotionen umgehen zu können. Es ist generell festzustellen, dass Depressionen und Selbstmorde in Berufsgruppen mit emotionalen Menschenkontakten weiter verbreitet sind, als in Berufen ohne diese Kontakte. Es wird kaum Tierärzte geben, die nicht schon böse, beleidigende Schreiben von ehemaligen Kunden bekommen haben, in denen sie beschuldigt werden, der Tod des geliebten Tieres sei nur durch das Verschulden des behandelnden Arztes zustande gekommen. Es ist leider eben oft nicht die rosarote Welt der Tiermedizin, wie sie im Fernsehen, in den immer beliebter werdenden Tiersendungen, vorgespielt wird. Denn auch die alte Frau, die nichts anderes mehr als ihre Katze hat, und die mit Selbstmord droht, wenn man das Tier nicht rettet, ist keine Seltenheit. Ebenso der aggressive Alkoholiker, der nachts um vier in die Klinik kommt und lautstark eine Behandlung seines Hundes fordert. Oder der Drogenabhängige, der zitternd vor einem steht und Beruhigungsmittel für seinen fiktiven Hund abholen möchte. Der Katzenhalter, der dem Tierarzt nach einem Kaiserschnitt vorwirft, einige Katzen zu unterschlagen, um diese selber verkaufen zu können. Und, und, und. Das ist die tägliche Realität und trauriger Alltag in den Tierarztpraxen und Tierkliniken.

Wer Tierarzt wird, weil er gut mit Tieren umgehen kann, hat zumindest Vorteile gegenüber denjenigen, die keine Tiere mögen. Wer aber Tierarzt wird, weil er mit Menschen nicht umgehen kann, und sich deswegen lieber mit Tieren umgibt, hat ganz, ganz schlechte Karten, zufrieden in diesem Beruf zu werden. Viele der Tierärzte in der britischen Studie hatten vor ihrem Selbstmord mit Kundenbeschwerden oder gerichtlichen Auseinandersetzungen zu tun. Auch erleichtere der Zugang zu Narkosemitteln die Entscheidung für den Freitod. So nahmen sich in der Studie fast alle Tierärzte, die den Freitod wählten, mit Barbituraten das Leben. In wie weit die britischen Erkenntnisse in Deutschland anzuwenden sind ist noch unklar. Fest steht allerdings, dass die emotionale Arbeit mit Menschen sehr belastend sein kann. Wenn dann auch noch die Verantwortung für ein Tier dazu kommt, und dieses dann verstirbt, ist es für viele Tierärzte schwer dies zu verarbeiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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